Tomorrow – nur eine Maßnahme gegen das „Schlechte Gewissen“ oder eine echte Alternative?

Die brandneue Bank Tomorrow mit ihrem mobilen Girokonto unterscheidet sich in vielen Bereichen von den traditionellen Banken.
Zum einen verzichtet sie auf klassische Filialen und ist ausschließlich über das Internet, das heißt in diesem Fall: über das Smartphone zu erreichen. Und so ist auch das Konto zu bedienen. Darüber hinaus werben die Tomorrow-Macher damit, eine faire Bank zu sein, die weder in Waffen noch in Kohle investieren.

 

Was ist eigentlich die Tomorrow Bank?

Die Tomorrow Bank ist keine Bank für jeden. Die Geschäftsführer Inas Nureldin, Michael Schweikart und Jakob Berndt haben es sich auf die Fahnen geschrieben, all jene zu bedienen, die sowohl zeitgemäß, das heißt über das Smartphone Bank-Geschäfte erledigen wollen, zugleich aber auch ihr Geld nachhaltig angelegt wissen möchten. Geplant ist also, eine „umfassende digitale Plattform“ rund um das Thema Finanzen „mit positivem Impact“ wobei ganz klar die Nachhaltigkeit der Investitionen immer im Fokus steht.

 

Und was unterscheidet Tomorrow eigentlich von anderen Banken?

Wenn man nach „nachhaltigen Banken“ sucht, stolpert man gleich über eine Reihe von Geld-Instituten, die sich dem Thema Nachhaltigkeit verpflichten. Wo ist dann die Tomorrow Bank zu finden? Sie versprechen, sowohl das Thema Nachhaltigkeit mit dem Thema Transparenz abzudecken.
Das Thema Nachhaltigkeit bezieht sich hier nicht nur auf das Thema Umweltschutz wie Vermeidung von Kohlekraft. Tomorrow distanziert sich auch explizit von Investitionen in Rüstungsgütern oder Gentechnik.

 

Das Angebot und die Produkte der Tomorrow Bank

Die Tomorrow Bank hat folgende Produkte im Angebot:

ProduktDetail
Mobiles Girokonto-Schnelle Kontoeröffnung auch von unterwegs
-Bis zu drei kostenlose Bargeldabhebungen
-Nationale Einlagensicherung bis zu 100.000€
Mastercard-Kartenzahlung im Ausland
-Geld abheben per Karte
-Online Zahlung per Karte
-Förderung des Klimaschutzes mit jeder Kartenzahlung
Online Banking-Individuelle Konfiguration von Sicherheitseinstellungen
-Kartensperrservice
-Push-Nachricht aufs Smartphone bei Kontobewegungen
-Zahlungen in Echtzeit unter Freunden
-Kategorisierung von Einnahmen und Ausgaben

 

Kann ich jetzt schon ein mobiles Girokonto eröffnen?

Leider ist das zurzeit noch nicht sofort möglich. Um das faire Girokonto zu eröffnen muss man sich auf einer Warteliste setzten und abwarten, bis mal Zugang zum Konto erhält. Denn die Warteliste wird nach und nach abgearbeitet, seit die Beta-Phase im November beendet wurde. In der Zwischenzeit kann man sich im Forum (https://community.tomorrow.one) oder auf Facebook informieren oder mitdiskutieren.

 

Die nachhaltige Karte

Tomorrow möchte mit der Mastercard das Klima schützen. Und das soll so funktionieren:
Bei jeder Transaktion bei der eine Kreditkarte im Spiel ist, zahlt jeder Händler normalerweise eine „Interchange Fee“ an die Bank, die die Karte ausgestellt hat. Dies ist ein normales Prozedere und gleichzeitig eine wichtige Einnahmequelle für die Banken. Hier möchte Tomorrow ansetzen und das System umgestalten: Die Interchange Fee – also die „Austausch-Gebühr“- wird zu einer „Interchange The World-Fee“ (entspricht einer „Ändere die Welt-Gebühr“). Diese Gebühren wird beispielsweise weltweiten Klimaschutz-Projekten zugeführt – von emissionsfreier Mobilität bis hin zu Eco-Sneakern… und es sollen noch viel mehr Projekte werden…

 

Und wie war das mit der Transparenz?

Transparenz soll dadurch geschaffen werden, dass den Tomorrow-Kunden Einblick in das Schaffen und Tun der Institution gewährt wird. So sehen Kunden beispielsweise, an welchen Features gerade gearbeitet wird; sie können aber auch darüber diskutieren, wohin die „Reise“ ethisch, technisch und auch organisatorisch gehen soll. Auf einem Trello-Board sieht man die aktuellen Projekte im „Tomorrow Maschinenraum“ (https://trello.com/b/TJ2OBM89/tomorrow-maschinenraum) und „nebenan“ im Tomorrow Forum wird gleich über die Themen heiß debattiert. In wie weit die Meinungen der Kunden und Interessenten berücksichtigt werden und wie demokratisch Tomorrow wird, bleibt abzuwarten. Aber für viele dürfte das Argument, den Weg und Verbleib seines Gesparten nachvollziehen zu können, überzeugen.
Priorität für Tomorrow hat das Vorhaben, eine besser Zukunft mit dem Geld der Anleger zu schaffen. Das heißt konkret: Wenn die Ziele klar sind, ist Geld nicht das Problem, sondern vielmehr Teil der Lösung. In den Augen der Gründer muss man hierfür lediglich den Finanzmarkt anpassen.
Klar muss sein, dass beim Vorhaben, Menschen und Umwelt zu schonen, natürlich der Gewinn und der Profit an Priorität verliert. Auch wenn das so selbstverständlich nicht formuliert wird, hat das Auswirkungen auf die Rendite, die die Anleger zu erwarten haben.
Hier noch eine Liste an Bereichen, die Tomorrow, mit dem Geld seiner Anleger NICHT unterstützt:

  • Waffen und Rüstung
  • Atomenergie: Produktion von Atomenergie, Kernkomponenten für Atomkraftwerke
  • Gentechnik: Gentechnisch verändertes Saatgut oder Tiere
  • Betrieb von Kohlekraftwerken
  • Finanzierung von Kohlekraftneubauten
  • Förderung von Erdöl, Stein- u. Braunkohle
  • Fracking
  • Handel mit Kohlestrom
  • Tabak, Alkohol, Glücksspiel, Pornographie
  • Verletzung von Menschenrechten und Arbeitsrechtverstöße
  • Zerstörung von Ökosystemen
  • Korruption und Bilanzbetrug
  • Industrielle Tierhaltung
  • Spekulation mit Nahrungsmitteln